Portugiesische Volksheilige in Portugal

Juni ist der Monat des Heiligen Antonius und des Heiligen Johannes

27/05/2025


Lernen Sie die Traditionen des Heiligen Antonius in Lissabon und des Heiligen Johannes in Porto kennen und erfahren Sie, warum die Städte im Juni in Portugal besonders lebendig werden!


Die Volksheiligen in Portugal

Mit einer Geschichte, die auf die Feierlichkeiten zur Sommersonnenwende zurückgeht, als sich die Menschen um große Lagerfeuer versammelten, sind wir heute zwar in der Gegenwart angekommen, doch die Feuer brennen noch immer – nun jedoch zum Grillen von Sardinen. Bunte Lampions schweben durch die Luft, Basilikumtöpfe, Plastikhämmer und zahlreiche weitere Dekorationen prägen das Straßenbild. Überall erklingt Volksmusik von den Bühnen, die in den Städten aufgebaut werden, und gegessen wird unter freiem Himmel. Ob sitzend oder stehend – man genießt gegrillte Sardinen im Brot, Grünkohlsuppe (Caldo Verde), Maisbrot oder Schweinefleisch-Sandwiches, begleitet von einem kühlen portugiesischen Bier. Der Duft von Gegrilltem liegt in der Luft und kündigt die Festlichkeiten schon von Weitem an. Es ist Juni, und so werden die Volksheiligen in Portugal gefeiert.


Der Heilige Antonius wird in Lissabon in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni gefeiert

Schon Wochen zuvor werden die Straßen festlich geschmückt. Restaurants und eigens errichtete Verkaufsstände stellen Tische und Stühle ins Freie, und Bühnen für die beliebten Volksmusik-Konzerte werden aufgebaut – das Herzstück der bevorstehenden Straßenfeste.

Am 12. Juni beginnen die Feierlichkeiten mit den berühmten Volksmärschen (Marchas Populares), die entlang der Avenida da Liberdade bis zum Rossio ziehen. Dies ist einer der Höhepunkte der Festlichkeiten: Verschiedene Gruppen aus den traditionsreichsten Stadtvierteln treten gegeneinander an und wetteifern um die schönsten Kostüme, die beste Choreografie und die eindrucksvollste Musik. Jedes Jahr wird ein Sieger gekürt. Besucher können das Spektakel von eigens aufgebauten Tribünen aus verfolgen. Gleichzeitig wird auch in den historischen Vierteln wie Alfama, Graça, Bica, Mouraria oder Madragoa gefeiert.

Der Rest der Nacht steht ganz im Zeichen des geselligen Beisammenseins auf den Straßen, der traditionellen Gastronomie und zahlreicher Tanzveranstaltungen. Am 13. Juni findet dann die Prozession des Heiligen Antonius statt. Sie beginnt an der Kirche neben der Kathedrale Sé im Stadtteil Alfama, wo der Heilige geboren wurde, und zieht durch die Stadt, um Arme und Bedürftige zu segnen. Da Antonius als Schutzpatron der Liebenden und Ehepaare gilt, finden an diesem Tag traditionell auch die Santo-António-Hochzeiten statt.


Der Heilige Johannes wird in Porto in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni gefeiert

Nun geht es in den Norden – rechtzeitig zum 23. Juni, den die Einheimischen als „den längsten Tag des Jahres“ bezeichnen.

In Porto verlaufen die Feierlichkeiten etwas anders, sind aber ebenso farbenfroh und lebendig. Hier können Sie erleben, wie Passanten traditionell mit Lauchblüten oder – heute häufiger – mit bunten Plastikhämmern leicht auf den Kopf geklopft werden. Nehmen Sie es nicht übel – es gehört einfach dazu! Wer dieses Risiko vermeiden möchte, sollte die Feierlichkeiten lieber von einem Balkon mit guter Aussicht beobachten.

Die traditionsreichsten Viertel sind Miragaia, Fontainhas und Ribeira. Doch gefeiert wird in der ganzen Stadt. Wie in Lissabon erkennt man ein Straßenfest an den aufgebauten Bühnen, den improvisierten Tischen und Stühlen auf den Straßen sowie an den vielen Grillständen.

Das Fest mit Sardinen im Brot, kühlem Bier und Volksmusik erreicht seinen Höhepunkt um Mitternacht mit dem spektakulären Feuerwerk über dem Fluss Douro. Wer mutig ist, sollte sich einen Platz möglichst nahe an der Ponte D. Luís I sichern – entweder auf der Seite von Porto oder von Vila Nova de Gaia. Die Menschenmassen sind enorm und können Besucher bis in die frühen Morgenstunden festhalten. Mit dem Schlag Mitternacht werden auch die traditionellen São-João-Lampions in den Himmel geschickt und tauchen die Nacht in ein magisches Lichtermeer. Wie man sagt, schläft man in dieser Nacht nicht. Stattdessen erlebt man den Sonnenaufgang und nimmt traditionell ein Bad im Meer.


Die Tradition der Basilikumtöpfe

Zu dieser Jahreszeit erscheinen auch die Manjericos (Basilikumtöpfe), die als offizielle Pflanze der Volksfeste gelten. Sie werden überall verkauft und gehören zur unverzichtbaren Dekoration der Feierlichkeiten.

Der Tradition zufolge schenkten junge Männer ihren Geliebten einen Basilikumtopf, um den sich diese bis zum nächsten Fest des Heiligen Antonius kümmern sollten – ähnlich wie um eine Beziehung. Die Pflanze, die später als „Kraut der Liebenden“ bekannt wurde, wurde stets zusammen mit einem kleinen Liebesgedicht verschenkt.

Bis heute erfüllen diese Verse und der unverwechselbare Duft des Basilikums während des gesamten Monats Juni die Straßen Portugals.

Martelinhos de São João

São-João-Hämmer

Diese bunten Plastikhämmer werden überall auf den Straßen verkauft. Sie sind das unverzichtbare Accessoire der längsten Nacht Portos und werden verwendet, um Passanten spielerisch auf den Kopf zu klopfen. Kaufen Sie unbedingt einen – so werden Sie Teil dieses einzigartigen Festes!
Alho-porro

Lauchblüten

Manche bevorzugen statt des Plastikhammers die ältere Tradition und tragen eine Lauchblüte bei sich, mit der sie die Gesichter der Passanten berühren. Dieser Brauch geht auf heidnische Feste und die Sommersonnenwende zurück. Er soll Unglück vertreiben und Schutz für das kommende Jahr bringen.
Decorações nas ruas

Straßendekorationen

Ob in Lissabon oder Porto – die Straßen werden mit bunten Fähnchen, Lichterketten und festlichen Figuren geschmückt. Überall herrscht Farbe, Freude und Feststimmung.
Fogo de artifício

Feuerwerk

In Porto gehört das Mitternachtsfeuerwerk über dem Douro zu den wichtigsten Traditionen. Es wird gemeinsam mit der Stadt Vila Nova de Gaia auf der gegenüberliegenden Flussseite organisiert. Tausende Menschen suchen sich einen Platz, um dieses beeindruckende Spektakel zu erleben, das das größte Fest der Stadt markiert.
Sardinhas assadas

Gegrillte Sardinen

Gegrillte Sardinen gehören zu den typischsten Gerichten dieser Jahreszeit und insbesondere zu den Feierlichkeiten der Volksheiligen. In den traditionellen Vierteln von Lissabon und Porto sieht man überall Menschen, die auf Straßen-Grills Sardinen, Paprika oder Schweinefleisch grillen.
Balões de São João

São-João-Lampions

Traditionell versammeln sich Familien und Freunde, um gemeinsam Lampions steigen zu lassen. Es ist ein freudiger Moment, wenn die Lampions erfolgreich in den Himmel aufsteigen – oft begleitet vom Applaus aller Anwesenden, selbst wenn sie sich gar nicht kennen.
Manjericos

Basilikumtöpfe (Manjericos)

Zu dieser Jahreszeit werden sie überall verkauft und sind ein fester Bestandteil der Festdekoration. Um ihren Duft richtig wahrzunehmen, sollte man nicht direkt an der Pflanze riechen. Berühren Sie stattdessen sanft die Blätter und riechen Sie anschließend an Ihrer Handfläche. So entfaltet sich das charakteristische Aroma am besten.

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